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Brief aus Eckernförde – Jubeln # 42

Ob Eckernförde oder Brauweiler, der heutige Brief aus Eckernförde geht uns alle an. Wir sprechen von Fussballfans. Margarete Brix, Amtsrichterin a.D., hat eine Typologie der Jubler aufgestellt. Wo sie ihre Feldstudien betrieben hat, bleibt weitgehend im Dunkeln. Aber sie teilt nur ein. Sie urteilt nicht. Das grenzt schon ganz nah an Altersweisheit, ob die Dame in den besten Jahren, das behauptet sie jedenfalls selbst von sich, diese Eigenschaft weit von sich weist. Maggies Typologie „Jubeln“ ringt Respekt ab und vielleicht haben wir heute Abend ja mal wieder ausgiebig die Möglichkeit zum überschwänglichen Jubeln. Aber davor stehen erst einmal  Ausdauer und Passgenauigkeit, Antrittsgeschwindigkeit und Sprungkraft. Aber wem sag ich das in diesen Zeiten. Ich rate derweilen ja zum prophylaktischen Jubeln, also Jubeln, wenn es noch gar nicht zu Jubeln gibt. Wie wäre es mit einem Jubel-Flashmob um 18.00 Uhr im Eiscafé Bez? (Illustration: Meike Teichmann).

Moin, moin,

in Zeiten wie diesen wird ja überdurchschnittlich oft gejubelt. Man könnte versucht sein, das Jubeln nicht mehr wahrzunehmen. Dabei ist die genauere Betrachtung durchaus interessant. Nachdem ich vor dem Fernseher und in Gesellschaft meiner Freunde Fiete, Jörn und Fritze einige Spiele von überschaubarem Unterhaltungswert zu erdulden hatte, verlegte ich mich auf das Studium der Jubelnden und vernachlässigte vorübergehend das Ballgeschiebe.

Als Ergebnis kann ich nun den ersten Entwurf einer kleinen Typologie der Jubler auf und neben dem Platz in zufälliger und wertfreier Reihenfolge präsentieren:

Der beidarmige Faustballer mit angewinkelten Armen  (in den Varianten stumm und brüllend) ist oft Ausdruck großer Erleichterung.
Die Säge (nach oben vorn und aus der Hüfte heraus) gern begleitet von stoßartiger Wiederholung des bestätigenden Wörtchens „Ja“ kann leicht trotzig wirken.
Der Hüpfer, meist auf den Tribünen zu beobachten, ist eigentlich ein verhinderter Läufer, kann seinem Trieb aber ob der beengten Verhältnisse nicht nachgehen.
Der Läufer lechzt ganz besonders nach Aufmerksamkeit. Er hat lange kein Tor erzielt und will den Erfolg möglichst lange auskosten.
Der Rutscher ist als Initiator von Gruppenrutschereignissen in der Regel der Torschütze selbst. Er rutscht meist auf die eigene Fankurve, sehr gern auch auf die Eckfahne zu (was bisweilen auf dasselbe hinauskommt). Dabei entblößt er ab und zu den Musculus gluteus (Rücken- oder Seitenrutscher) oder auch den Lendenwirbelbereich (Bauchrutscher).
Der Stapler liebt Körperkontakt. Er jubelt als Nachfolger des Rutschers, der ein, zwei oder mehrere Personen unter dem Stapler liegt.
Der Aufsitzer bespringt den Torschützen von hinten. Warum auch immer.
Der Miro droht auszusterben. Kloses Vorwärtssalto wurde bei dieser EM jedenfalls noch nicht aufgeführt.
Der Zeigefreudige reißt sich das Jersey vom Leib und nimmt die gelbe Karte in Kauf. Er möchte dokumentieren, dass er sein Geld auch als Bodydouble im Spezialfach Six-Pack verdienen könnte. Hierzu zieht der Extrem-Zeiger das Jersey auch gern über das Gesicht. Nicht immer ist er hässlich. Seine Motive bleiben unklar.
Der Romantische zeigt Herzchen in die Kamera. Er ist frisch verliebt oder wäre es gern.
Der Papa taucht in zwei Varianten auf. Kindliche Gemüter stecken sich den Daumen in den Mund. Behüter deuten das Wiegen eines Säuglings an.
Der bekennende Christ legt den Kopf in den Nacken und bekreuzigt sich.
Der Kumpel fällt auf der Tribüne, in der Kurve, beim public viewing und auch im heimischen Wohnzimmer dem nächstbesten Mitmenschen um den Hals. Das kann beengend sein.
Der Schwachkopf entzündet Bengalos und atmet dann tief ein und aus.

Eine wunderbare Vielfalt also, die uns der Fußball auch in dieser Hinsicht bietet. Heute Abend werden wir vermutlich den Sirtaki-Tänzer sehen und wenn auch nur als Übersprungshandlung nach dem Ausscheiden.

Ole-Ole, Ihre Margarete Brix

P.S. Ich erwäge, mich demnächst mal dem Jammern zuzuwenden. Euro-Jammern.

4 Kommentare to “Brief aus Eckernförde – Jubeln # 42”

  • Margarete Brix:

    Verehrter Herr Neubauer,

    dass Sie den Jubel-Flashmob anregen, überrascht mich nicht und natürlich wünsche ich gute Unterhaltung beim entfesselten Tun. Erwartet hätte ich aber auch eine Anregung zum Blog-Jubeln. Da könnten Sie noch nachlegen. Kleine Steilvorlage meinerseits. Aus der Tiefe des norddeutschen Raumes …

    Ihre Brix

    • Ehrlich gesagt, ist mir Blog-Jubeln etwas zu einsilbig. Was soll dabei schon herauskommen: „Trööööt“, „Olé“, „Toooooooorrr“. Jubeln ist eher eine körperliche Disziplin unterstützt durch einsilbiges Brüllen, das muss auf die Strasse oder ins Stadion.

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