Brief aus Eckernförde – Wollen wir das? # 49

als ich mich heute Morgen mit dem Fahrrad den Abteiberg hochgequält habe, fiel mein Blick auf das Schild „Polizeistation„. Ich hatte auf dieses Zeichen hoheitlicher Gewalt schon lange nicht mehr geachtet. Auf dem Parkplatz hingegen kein einziges Polizeiauto. Dabei kam mir in den Sinn, dass sich sowieso schon lange keine Polizei mehr im Ort gesehen habe. Zu den Festen im Ort, da zeigt die Polizei Präsenz. Aber im Alltag findet die Polizei in Brauweiler schon lange nicht mehr statt. Das Hinweisschild ist reiner Fake. Ich fragte mich dann auf dem Weg zum Brötchen holen: Gehört zu einem ordentlichen Stadtteil nicht auch eine eigene Polizeistation? Beim Frühstück las ich dann den Brief aus Eckernförde von meiner Freundin Maggie Brix. Auch sie hat ähnliche Probleme in Eckernförde zu beklagen. Vorhang auf, Frau Brix. Was haben Sie uns sonst noch so zu sagen? (Illustration: Meike Teichmann).

 

Moin, moin,

gestern telefonierte ich mit meiner Freundin Marie aus Köln. Dit und Dat, wir kamen von Hölzken auf Stöcksken. Die großen Gesten des Usain Bolt in London, die Rückschläge für Kofi Annan in Syrien, das beste Matjesrezept von Erika und das Abitur, das Maries älteste Enkelin gerade wider Erwarten bestanden hat.

 

Und so kamen wir auf die jungen Leute. Wir sprachen über deren Sorgen um die Rente, um den Segen sehr alt werden zu können und über den Kinderwunsch als solchen, der auch unter widrigen Umständen eine Konstante im Leben von Mann und Frau ist.

 

Leider, so musste ich Marie dann berichten, wird den gebärwilligen Frauen in Eckernförde künftig die Geburt ihres Kindes in einem Eckernförder Krankenhaus nicht mehr möglich sein. Die Station wird geschlossen, nachdem sich über Jahre kein Ersatz für den engagierten Gynäkologen fand, der sich mit Bereitschaftsdiensten an den Rand der eigenen Leistungsfähigkeit gebracht hat.

 

Der Dienst auf dem Land lohnt sich nicht. Die Ärzte zieht es in den Süden, in die großen Städte. Dem Geld hinterher. Marie und ich waren tatsächlich sprach- und ratlos und wir fragten uns: „Wollen wir das?“

 

Wollen wir eine Gesellschaft, in der das Geld bestimmt, ob die Polizei Einbrecher verfolgt, in der das Geld bestimmt, ob man auf dem Land noch Kinder entbinden kann? Marie uns ich wollen das nicht. Und Sie?

 

Nachdenklich

 

Ihre Margarete Brix

 

 

P.S. Heute haben wir auf dem Rathausplatz noch bis 18.00 Uhr den Handwerkermarkt zu Gast. Tolle Sachen. Ich werde mir nachher noch einen kleinen Vorrat handgemachter Pflanzenseifen besorgen. Zusammen mit selbst gemachter Marmelade ein narrensicheres Geschenk.

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