spiritual ground präsentiert Kurt von Bley

Einladung zur Eröffnung am Freitag, 5. April, 19 Uhr, Winterrefektorium
Abtei Brauweiler

Mit ‚Auto-da-fé‘, der portugiesischen Bezeichnung für die ‚öffentlichen Glaubensgerichte’ aus der Zeit der Heiligen Inquisition und ihrer grausamen Praxis, Glaubensbekenntnisse zu erzwingen, Urteile zu fällen und öffentlich zu vollstrecken, realisiert der in Berlin lebende Künstler Kurt von Bley eine speziell für das Winterrefektorium der Abtei Brauweiler geschaffene Rauminstallation.
1976 im polnischen Chorzòw (oberschlesisch: Königshütte) geboren, setzt er sich seit seiner Übersiedlung nach Deutschland 1990 intensiv mit dem Thema ‚Identität’ auseinander. Sein multimediales OEuvre (künstlerisches Gesamtwerk) trägt überwiegend autobiographische Züge und ist auf radikale Art und Weise von religiösen Anspielungen durchzogen.
Obsessiv führt sein Blick zurück in die eigene Vergangenheit und Familiengeschichte. Der schmerzhafte Verlust und die Suche nach der eigenen Identität sind dabei häufig wiederkehrende Themen. Sie speisen sich zum einen aus der familiären Prägung durch Eltern und Großeltern im politischen Klima ständig wechselnder nationaler und kultureller Zugehörigkeiten verbunden mit dem Verlust von Heimat, Sprache, Namen und deren öffentlicher Ausmerzung und Negierung. Sie speisen sich ferner aus den kindlichen Erfahrungen seiner streng katholisch ausgerichteten Erziehung und Einbindung in die konservativ-orthodoxe Kirchenpraxis mit Geschlechtertrennung und streng reglementierten symbolischen Handlungsriten. Zwiespalt und innerliche Zerrissenheit, Selbstreflektion und Selbstzweifel als Folge spielen bis heute in der werkimmanenten Auseinandersetzung eine wesentliche Rolle.

In ‚Auto-da-fé‘ verbindet sich die Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei als Ort spiritueller Frömmigkeit mit einem kritischen Befragen unterschiedlicher Formen der Glaubensausübung und Glaubensvermittlung. Gekonnt führt Kurt von Bley in der Ausstellung unterschiedliche, aus dem katholischen Glaubensalltag stammende Objekte und Gegenstände zusammen. Durch subtile Bedeutungsverschiebungen, partielle Auslöschungen und Eingriffe in die herkömmliche Nutzung und Codierung, initiiert er ein eigenwilliges Spiel mit den christlich konnotierten Gegenständen, das gerade vor dem Hintergrund der neu entflammten Debatte um Zölibat, Macht und Missbrauch in der Kirche eine bestechende Brisanz und Aktualität erhält.
Neben der durch den Titel suggerierten Praxis der inquisitären Glaubensgerichte und öffentlichen Verbrennung von Büchern als blasphemisch, häretisch (von der offiziellen Kirchenlehre abweichend) , ketzerisch, unmoralisch und obszön, zeigt Kurt von Bley als zentrales Element der Ausstellung einen schlichten, offenen Beichtstuhl in der Mitte des Raumes. Einladend bietet er an seinen mit Kniebänken ausgestatteten Außenseiten Platz für zwei Gläubige und ihre Sündenbekenntnisse. Doch die Hoffnung auf Absolution wird enttäuscht, denn anstelle eines Priesters konfrontiert der Künstler den Betrachter mit dem seelenlosen Bildschirm eines Fernsehers, der mit schwarz-weißem Testbild und einem unablässig monotonen Rauschen eine ‚Sendestörung‘ anzeigt.
Ergänzt wird das Szenario durch eine Reihe weiterer religiös konnotierter (mehrdeutig) Objekte, welche die teils absurden, kuriosen und skurrilen Ausformungen der Glaubensausübung über die Jahrhunderte vor Augen führen und im Hinblick auf den Ausstellungsort und seine besondere Geschichte eine Vielzahl weiterer Lesarten und Dimensionen ermöglichen.

Kurt von Bley
Kurt von Bley lebt und arbeitet in Berlin und ist in Deutschland und international mit seinen Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.

spiritual ground
spiritual ground ist eine von den Kuratorinnen Dr. Nadia Ismail und Dr. Astrid Legge konzipierte Ausstellungsreihe für das Winterrefektorium der Abtei Brauweiler. Zugeschnitten auf die Räumlichkeiten des ehemaligen Benediktinerklosters, lädt das Kuratorenduo seit 2012 zeitgenössische KünstlerInnen ein, den Ort In-Situ oder performativ zu bespielen.

Kontakt: Freundeskreis Abtei Brauweiler e.V.
Ehrenfriedstraße 19, Tel. 02234/9854240, E-Mail abtei-brauweiler@lvr.de
Ausstellungsdauer: 06. April 2019 – 02. Juni 2019
Künstlergespräch: 19. Mai 2019, 14 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist frei
Öffnungszeiten: Do – So 14 bis 17 Uhr und auf Anfrage

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