Autorenarchiv
Brief aus Eckernförde – Vermessen #123

Moin, moin,
am Neujahrstag frühstückten wir in großer Runde. Um das Jahr fröhlich beginnen zu können, hatte ich politische Themen als Tischgespräch untersagt. Nachdem wir zwei Minuten schweigend Eier geköpft und Tee gerührt hatten, fragte Marlene nach unseren Vorsätzen für 2014. Dabei stellte sich heraus, dass allein Fiete gänzlich frei von Vorsätzen war. Er log. Ich wusste das.
Mittwoch besuchte ich ihn in seinem alten Büro, das der Baulöwe im Ruhestand einfach nicht aufgeben kann. Und dabei kam´s dann raus. Als ich das Büro betrat, stand Fiete barfuß und in Unterwäsche auf einer Waage. Er sah mich und fiel förmlich in sich zusammen. Kein Poltern, kein Gezeter. Er wusste, dass ich ihn ertappt und überführt hatte. Ohne Vorsätze ins neue Jahr. Ha! Die Waage, ein Hi-Tech-Produkt aus der Raumfahrtforschung, das Fiete über einen Fernseh-Shopping-Sender bestellt hatte. Das Körperfett wird gemessen und das Körperwasser und das Gesamtgewicht, womöglich auch der IQ. Auf Fietes Schreibtisch die Formel zur Ermittlung des Body-Mass-Index und ein Schrittzähler. Der BMI sei ja von gestern erklärte Fiete. Wichtiger sei das Waist-to-Height Ratio, also das Verhältnis von Hüftumfang zu Körpergröße. Dann piepte es. Die Bauchmuskeltrainings-App auf seinem Handy. Mir wurde angst und bange. Denn ich kenne Fietes Blutdruckwerte und seine verbissene Art einmal gesteckte Ziele auf Biegen und Brechen zu verfolgen.
Spontan und in freier Rede, stellte ich Fiete darum das AzEV vor, das den letzten Stand der personal enhancement Forschung repräsentiere. Das AzEV messe nämlich das „Aufwand zu Effekt Verhältnis“, erklärte ich. Das AzEV der von Fiete verwendeten Methoden berechnete ich im Kopf mit 0,7. Im Schnitt weit unterhalb des empfohlenen Wertes von 19. Fiete war enttäuscht. Wir haben einen langen Spaziergang gemacht und uns dann mit einer Pizza gestärkt. Machte gefühlt ein AzEV von immerhin 6,9. Fiete ist nun wieder in der Spur und frei von Dämonen, die ich austreiben müsste.
Ihre und Eure Margarete Brix
P.S. Sonnabend (20.00 Uhr) Utgard. Dort wird Dave Goodman einheizen. Gute Musik, nette Leute und nur ein kleines Pils. Das treibt des Tages-AzEV weit nach oben.
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Brief aus Eckernförde – Landliebe #122

Moin, moin,
rund um die Jahreswende habe ich ihn wieder gehört, diesen Begriff mit dem ich so wenig anfangen kann: „Ländliche Räume“. Es ging um Geld. Wer bekommt was von wem und warum. Wer „ländliche Räume Schleswig-Holstein“ in das entsprechende Feld einer Suchmaschine tippt, erhält 159.000 Ergebnisse. Ich war erstaunt wieviele Definitionen des ländlichen Raumes kursieren, wie tief der ländliche Raum durch Kultur-Geographen und andere Fachleute differenziert wird, wie zahlreich die Verwaltungsstellen sind, die sich kümmern. Es gibt sogar eine Akademie, die sich allein diesem Thema widmet und es gibt ein Netzwerk Ländliche Räume und es gibt europäische Netzwerke zu denen auch das Europäische Evaluierungsnetzwerk für den Ländlichen Raum zählt. Das klingt doch gut. In Schleswig-Holstein zählt man 22 sogenannte Leader-Aktionsgruppen im Netzwerk Ländliche Räume. Da wird sicher die Arbeit gemacht. Der Ländliche Raum ist, wie sagt man heute, gut aufgestellt. Die Organisation scheint perfekt. Sicher denken viele qualifizierte Menschen darüber nach, was wohl wird aus dem ländlichen Raum und dann gibt es eine Präsentation und einen Kongress. Toll. Es müsste doch eigentlich rund laufen, im ländlichen Raum. Tut es aber nicht. Die jungen Leute ziehen weg, Dorfschulen schließen, der Kaufmann gibt auf, im Dorfkrug bleibt der Zapfhahn trocken und der Freiwilligen Feuerwehr fehlt der Nachwuchs. Erosion auf breiter Front. Hoffnungslos? Keinesfalls! Ich will hier nicht ins Detail gehen. Nur soviel als Anregung einer älteren Mitbürgerin: Mal an unsere Grundbedürfnisse denken und dann daran, dass kleine Strukturen handlungsfähig machen. Beispiele gefällig? Hans bringt mir jeden Mittwoch sechs Eier aus Missunde mit, den Sonntagsbraten liefern Galloways aus Rieseby, geistige Anregungen erhalte ich beim Altstadtverein, soziale Kontakte bietet der Chor, mein neues E-Bike kommt aus Oldenburg und der Ökostrom wird ziemlich wahrscheinlich in Schleswig-Holstein erzeugt. Das Land zwischen den Meeren bietet Entwicklungspotenzial schon wegen seiner Lage. Heimat ist nichts rückwärtsgewandtes. Augen auf, keine falsche Angst und anpacken. Kämpfe kämpfen, die man gewinnen kann. Dass man gegen einen Gegner aus einer anderen Gewichtsklasse wenig zu bestellen hat, hat der Streit um die Windenergiemesse gezeigt. Erreichbare Ziele gibt es genug. In diesem Sinne: Rüm hart – klaar kiming.
Ihre und Eure Margarete Brix
P.S. Montagabend (19.30 Uhr) werde ich in Carls Showpalast Uwe Pörksen lauschen. Auf Einladung der Heimatgemeinschaft wird er zum Beispiel das Auseinanderbrechen eines viele Jahrhunderte währenden deutsch-dänischen Miteinanders beschreiben. Pörksen ist Autor des Buches „Riß durchs Festland“ und lässt Geschichte am Beispiel einer Familie lebendig werden.
Klappentext
Es ist die Momentaufnahme einer Idylle – und gleichzeitig der letzte Akt eines Dramas, das von Nationalismus und Feindschaft, von kleinen und großen Kriegen, von Ressentiments, Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit gezeichnet ist. Nur ein einziges Foto hat sich erhalten. Es zeigt drei Paare der weit verzweigten Pastorenfamilie Prahl beim Verlassen der Nicolaikirche in Eckernförde. Sie feiern an diesem Tag gemeinsam die goldene, die silberne und die grüne Hochzeit. Es ist ein rauschendes, ein auf den ersten Blick ganz und gar privates, unbeschwertes Fest, das da am 31. August des Jahres 1930 stattfindet. Und doch wird in ihrer Vorgeschichte im Mikrokosmos des Privaten und in dem Geflecht der Stimmen und Schicksale, der vielen Familienüberlieferungen und Dokumente ein Panorama der Landes- und Zeitgeschichte erfahrbar. http://buchverlag.boyens-medien.de/verlagsprogramm/literatur/einzelansicht/kategorie/literatur/buch/riss-durchs-festland.html
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Bürgermeistersprechstunde in Brauweiler
Am Donnerstag, 23. Januar, 17.00 bis 18.30 Uhr, wird uns der Bürgermeister Frank Keppeler im alten Rathaus (Büro Einwohnermeldeamt) in Brauweiler besuchen.
Unmittelbar vor Ort haben wir, die Brauweiler, dann die Möglichkeit, mit dem Bürgermeister über lokale Angelegenheiten zu sprechen. Anmeldungen sind nicht erforderlich.
Vielleicht spricht ja auch einer mal die Situation im Zahnrad an. Siehe auch den Kommentar von Kerstin hier.
Brauweiler Wetter – Winter?
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=LdAt-cf7Vgw[/youtube]
Guten Morgen Brauweiler. Was ist das für ein Wetter? Das soll Winter sein. Da erinnern wir uns doch lieber an vergangene Jahre, in denen der Januar so richtig knackig kalt war und Schnee den Rhein-Erft-Kreis deckte. Im „Winterland“ ticken die Uhren einfach anders. Wettergott erbarme dich, es ist noch Glühwein vorrätig.
NASOWAS – Vernissage im Johanniter-Stift Brauweiler
Unter dem Titel Junge Kunst – Arbeiten aus dem Kunstunterricht des Abtei-Gymnasiums Brauweiler findet am 02. Februar 2014 um 15.00 Uhr im Restaurant des Johanniter-Stifts die Vernissage des Abtei-Gymnasiums Brauweiler statt.
Erstmalig stellen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 – 12 des Abtei-Gymnasiums Brauweiler künstlerische Arbeiten aus, die im Kunstunterricht entstanden sind. Zu sehen sind Zeichnungen / Druckgraphik / mit Acrylfarben auf Leinwand gemalte Bilder / Fotografien / Fotomontagen und Tonplastiken.
Brief aus Eckernförde – Im Prinzip # 121

Moin, moin,
im Prinzip ist der Mensch weder gut noch böse. Das ist die Essenz meines privaten und beruflichen Lebens. Wir bemühen uns instinktiv darum, unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Essen, Trinken, Wohnen, Fortpflanzung. Wie die Tiere. Im Prinzip ist das in Ordnung und anders geht es ja auch nicht, wollen wir überleben. Aber die Tücke liegt im Detail. Das wirkliche Leben zerrt von zwei, von mindestens zwei Seiten an unserer animalischen, moralisch eher neutralen Grundstruktur. Nehmen wir mal Sylvester. Wir waren bei Erika in Missunde. Erika hatte gekocht. Gut, reichlich, abwechslungsreich. Das Tier in uns war nach 25 Minuten satt und zufrieden. Die Gier in uns, ließ uns nach Fischsuppe, Lachs auf Rösti, Black Tiger Prawns provencale, Rote Grütze mit Sahne auch noch Schwedische Mandeltorte in uns hinein stopfen. Spekulatius zum Tee ging dann nach dem Köm mit ein bisschen Gewalt ebenfalls noch rein. Das Gewissen in uns schrie auf: Zuviele Kalorien, schlechte Blutwerte, leergefischte Meere, hungernde Fischer, weil Riesentrawler die Gelbflossen-Thunfische mit Riesennetzen vor den tropischen Küsten geradezu ausmerzen. Und dann war es kurz vor Mitternacht. „Brot statt Böller“. Klar, da spende ich seit 20 Jahren. Aber Hans hatte ein paar Raketen besorgt. Böse Geister vertreiben, sagte er und Jörns Genesung feiern. Der ist dem Sensemann im letzten Jahr nämlich nur haarscharf entkommen. Und Marlene findet Feuerwerk so schön, dass sie jedes Mal ein bisschen weinen muss. Gegen drei Uhr lag ich im Bett, ein bisschen angetütert, sodass ich leichten Wellengang spürte. Im Prinzip war das ein schöner Abend, aber wieder hatte die dunkle Seite der Macht gewonnen. Im nächsten Jahr werde ich dehalb darauf achten, dass nur solcher Fisch auf den Tisch kommt, der nicht vom Aussterben bedroht ist. Das ist wirklich ein kleiner Kampf, den ich nicht nur im Prinzip, sondern ohne Aufwand leicht und sicher gewinnen kann. 2014 höre ich auf die Kanzlerin, die Mut zu immer neuen kleinen Anfängen macht. Wenn eine weiß, wie es geht …
Sich auf einen Strandspaziergang freuend
Ihre und Eure Margarete Brix
P.S. Sonnabend gehe ich auf den Wochenmarkt. Regionale Produkte einkaufen. Das kann im Prinzip nicht schlecht sein, sofern sie im Einklang mit der Natur produziert wurden und ich nicht drei Portionen für zwei Personen kaufe. Das schaffe ich.
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Brief aus Eckernförde – Der Diaabend #120
Moin, moin,
über die Feiertage ist Marie aus Köln zu Besuch. Deren Tochter ist mit Mann und Enkel nämlich nach Teneriffa gereist. Nachdem wir den Heiligen Abend im kleinen Kreis verbracht hatten, stand Marie am 1. Feiertag der Sinn nach Abwechslung. Wir haben einen ausgedehnten Spaziergang unternommen und sie war erschüttert, was Orkantief Christian angerichtet hat. Wir haben uns ja inzwischen an den traurigen Anblick gewöhnt. Jedenfalls sprachen wir über die beeindruckenden Zeiträume, die eine Eiche braucht, bis sie imposante Höhen von zwanzig Metern und mehr erreicht und so kamen wir dann auf unsere eigene Jugend zu sprechen. Als wir wieder im Ykaernehus angekommen waren, hatte Marie die zündende Idee für den Abend. „Zeigt mir doch mal, wie das bei euch so war, damals als ihr jung ward.“ Fiete war sofort Feuer und Flamme. Überraschend schnell hatte er einen Diaprojektor und eine Leinwand parat. In der Zwischenzeit hatte ich stapelweise Diaboxen aus dem Schlafzimmerschrank gekramt. Und dann ging´s los. Eine Reise durch Zeit und Raum. An der Hand meines Vaters beim Sonntagsspaziergang am Strand, selbstverständlich schwarz-weiß, Fiete in kurzen Lederhosen bei seinem Onkel im Schwarzwald, mein erster Petticoat, Fiete in Frankreich, als er seinen Citroen abholte, die „Studienreise“ nach Ibiza; unglaublich, spätere Staatsanwälte und Richter knapp bekleidet und mit Genussmitteln, deren Besitz viele Vorgesetzte sicher nicht als karrierefördernd eingeordnet hätten. Fiete war ein Hering, bis weit in seine Dreißiger. Dann hatte er diese Frau geheiratet und war aufgegangen wie ein Hefekloß. „Essen war ja alles, was mir blieb“, jammerte er angesichts der entlarvenden Fotos. Dabei knabberte er genüsslich an einer übriggebliebenen Keule der Weihnachtsgans. Wir lachten, erzählten und manchmal war es auch ein bisschen traurig, wenn wir längst verstorbene Verwandte und Freunde sahen. Als das letzte Magazin eingeschoben, das letzte Dia gezeigt war und schließlich das Licht wieder angeknipst wurde, hatten wir glänzende Augen und gerötete Wangen. Und wir schworen uns, dass der Diaabend bei uns wieder in Mode kommen wird.
In Erinnerungen schwelgend
Ihre und Eure Margarete Brix
P.S. Sonntagabend werde ich mit den Knilchen nach Lindau fahren. Die Autoren von „Tod am Strand“ kommen und lesen und halten eine Art Sprechstunde ab, wie ich höre. Wir freuen uns riesig. Schließlich kommen wir ja vor! 29.12., 18:00 Uhr hier: https://www.facebook.com/Lindauhof
Rasmussen und die Brix: das neue Duo am Krimi-Himmel. In: Tod am Strand.
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Brauweiler Andacht – Kurze Blog-Retrospektive
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=MfwHjJVVRno[/youtube]
Wir schreiben das Jahr 2010. Im Juli beschließen zwei Freimersdorfer, dem Abteidorf Brauweiler ein Blog zu verpassen. Ein halbes Jahr lang bloggen sie gemeinsam, was das Zeug hält. Heinz & Jül treten auch vor die Kamera. Mehrere Male. Man sieht sie immer nur von hinten. Und vor ihren Füßen wuselt ein Hund herum. Beinahe hätten die beiden auf der Parkbank mit Blick auf Brauweiler Kultstatus erreicht. Dafür hätten sie einfach nur weitermachen müssen. Aber Jül ging Anfang 2011 von Bord und jetz ist auch Heinz weg. Anlass genug hier auf diesem Kanal die schon fast legendäre Folge „Brauweiler Andacht“ zu wiederholen. Heinz & Jül wünschen Frohe Weihnachten.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Allen Lesern, Freunden und Partnern des Brauweilerblogs wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2014. Nutzen Sie die freie Zeit um etwas Ruhe einkehren zu lassen, denn das Leben besteht nicht nur aus Arbeit.
Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre rege Teilnahme und die vielen Kommentare. Auch bedanke ich mich bei den Blogpartnern, denn ohne sie ist ein Brauweilerblog nicht möglich.
Ich melde mich am 2. Januar zurück.
Ihr Moritz Grosse
Ding ding dong für Brauweiler – Weihnachten mit Erdmöbel
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=2l8I20zDXnc[/youtube]
Im Norden, im Süden, im Osten und auch im Wilden Westen von Köln. Überall „ding ding dong“. Wieder ein toller Song der Kölner Gruppe erdmöbel.

