Die bahnbrechendsten Erfindungen – Pulheimer Autor Alfried Schmitz im Interview zu seinem neuen Buch

Alfried Schmitz legt in seinem gerade erschienenen Buch „Die 50 bahnbrechendsten Erfindungen“ vor (Bucher, 141 Seiten, 17,95 Euro). Die Welt empfiehlt am 19.04.2012 dieses Werk: „Ob Brille oder Glühbirne – hinter jeder Erfindung steckt eine spannende Geschichte.“ Der Autor hat die 50 Innovationen ausgewählt, die die Menschheit auf ihrem Weg in die heutige Zivilisation vorangebracht haben. Das Buch beginnt damit zu erklären, wie aus Faustkeil ein Hammer wurde. Und dann geht es Schlag auf Schlag: die Sprache, die Zeichensysteme bis hin zum Computer. Bei der Lektüre des Buches erfährt der Leser beispielsweise, wie aus der Draisine das Fahrrad wurde und warum die ersten Konservenbüchsen tödlich waren. Hendrik Neubauer hat sich mit Alfried Schmitz über Ureinwohner, Komplexitätsreduzierung und Basketbälle unterhalten. Lesen Sie selbst.

Brauweilerblog: Alfried, wir hatten vor ein paar Jahren das Vergnügen gemeinsam an dem Band „The Survivors. Vom Ureinwohner zum Weltbürger. Überleben im 21. Jahrhundert“ zu arbeiten. Jetzt hast du dein eigenes Buch „Die 50 bahnbrechendsten Erfindungen“ veröffentlicht. Ein ähnlich dickes Brett, nur dass du dieses Mal allein auf weiter Flur standest. Wie hast du das überlebt?

Alfried Schmitz: Um ganz ehrlich zu sein, das war kein Zuckerschlecken. Die Aufgabe reizt einen natürlich am Anfang und man möchte unbedingt diese 50 Kapitel mit sinnvollem Inhalt füllen, aber Bücher schreiben ist schon ein ganz schön hartes Hand- und Denkwerk. Man muss sich das vorstellen. Man schreibt das erste Kapitel und hat dann noch 49 vor sich. Dann hat man das zweite geschafft und es sind immer noch 48 die man schreiben muss. Und dann ist irgendwann Bergfest. Man hat die Hälfte geschafft und schaut den Berg von oben hinunter und es liegen noch 25 Kapitel vor einem, die man ja nicht nur schreiben muss, sondern für die man ja jede Menge Recherchen anstellen muss. Das ist nicht leicht. Aber wem sage ich das?!

BB: Gab es Berührungspunkte mit deiner täglichen Arbeit als Autor und Moderator für Rundfunk und Fernsehen?

AS: Ja, in der Tat, die gab es. Ich arbeite ja für den Westdeutschen Rundfunk als Autor für die Fernsehsendung „Planet Wissen“. Die läuft jeden Tag auf verschiedenen Kanälen der ARD-Kette. Und da bearbeiten meine Kolleginnen und Kollegen und ich jeden Tag Themen aus allen möglichen Wissensbereichen. Geographie, Geschichte, Kultur, Biologie oder Medizin. Und bei diesen Sendungen kommt es darauf an, dass man möglichst viel Wissenswertes an die Zuschauer weitergibt, ohne sie zu langweilen. Da muss man sich als Autor selbst in die Themen richtig hineinknien und versuchen, sie den Zuschauern informativ und unterhaltsam nahe zu bringen. Außerdem erstellen wir auch zu jeder Sendung und zu jedem Thema entsprechende Internetseiten, die man unter www.planet-wissen.de abrufen kann. Das ist aufgebaut wie ein bebildertes Lexikon im Internet. Diese Fernseh- und Internetarbeit hat mir die richtige Basis gegeben, auch die Arbeit an diesem Buch über die 50 bahnbrechendsten Erfindungen anzugehen.

BB: Ist es nicht eine Qual, die Geschichte der Innovationen auf 50 zu begrenzen? Und gleich hinterhergefragt: Welche Erfindung hättest du am liebsten noch mit in der Auswahl gehabt?

AS: Ja, das war eine Qual. Das Buch sollte auch zunächst 70 bahnbrechende Erfindungen beinhalten. Aber der Verlag hat festgestellt, dass das den Rahmen gesprengt hätte. Erstens wäre das Buch dann teurer geworden, und das Ziel war es ja, ein Buch zu einem erschwinglichen Preis anbieten zu können. Zum Zweiten ist die 50 so eine prägnante Zahl, die dem Verlag dann gut in ein Gesamtkonzept einer ganzen Reihe von Wissensbüchern passte. Vielleicht war es ganz gut, sich zu beschränken. Das hat die 50 ausgewählten Erfindungen für mich als Autor umso wertvoller gemacht. Aber es war schon so, dass ich zu Beginn des Projektes eine Liste aufgestellt habe, die um einiges länger war und die viel mehr Erfindungen beinhaltete. Ich glaube, es waren so um die 100 Erfindungen, an denen mein Herz lag. Es hat mir dann wirklich leidgetan, auf einige verzichten zu müssen. Aber bei näherer Betrachtung ist dann auch oft so gewesen, dass viele Dinge nur eine Kombination und Weiterentwicklung aus schon bestehenden Erfindungen sind. Nehmen wir mal die Taschenlampe. Die besteht einfach gesagt aus einer Glühlampe und einem Energieerzeuger. Beides Errungenschaften, die wir in den entsprechenden Kapiteln abhandeln. Das gilt für viele Dinge, die uns unser Leben heute so bequem machen. Ein Thema das ich gerne behandelt hätte, wäre Beton gewesen. Ein Baustoff, der unser Leben und die moderne Architektur verändert hat. Eigentlich ein Wunderstoff, den wir als selbstverständlich hinnehmen, ohne den aber die moderne Bautechnik nicht mehr auskommt und ohne den große Bauprojekte wie Brücken und Hochhäuser nicht denkbar wären. Es gibt noch viele andere Beispiele. Auch die Erfindung des Bieres hätte mir aus persönlichen Gründen besonderen Spaß gemacht, in dem Buch noch unterzubringen. Eine interessante Geschichte, die bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreicht und die im Zweistromland ihren Ursprung hat. Nach Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris führen übrigens sehr viele Spuren auf der Suche nach den Ursprüngen interessanter und weitreichender Erfindungen.

BB: Was war für Dich das Spannendste an Deiner Arbeit?

AS: Ich bin kein Physiker, kein Ingenieur. Ich wollte dieses Buch nicht vordergründig von der technischen Seite her angehen. Mir lag vor allem daran, die Menschen und den geschichtlichen Kontext hinter den Erfindungen zu beleuchten. Was waren das für interessante Typen? Was hat sie dazu bewegt, solange zu tüfteln, bis sie ihre bahnbrechende Erfindung gemacht hatten? Und ganz entscheidend, wie hat diese Erfindung die Welt beeinflusst und verändert. Dieses Eintauchen in die Geschichte, in die Charaktere, fand ich wahnsinnig spannend. Darüber habe ich manchmal die viele Recherche-Arbeit vergessen. Ich will das an einem Kapitel klarmachen. Da ist der Erfinder des Porzellans. Der wollte eigentlich für den geldgierigen Sachenkönig Gold herstellen. Das hat aber nicht geklappt. Aber als „Abfallprodukt“ der gescheiterten Goldherstellung ist dann das „weiße Gold“ entstanden: Porzellan. Und das war damals, Anfang des 18. Jahrhunderts, Gold wert. So ist ein Scharlatan in die Elite der Erfinder aufgerückt. Das sind die Geschichten, die mir großen Spaß gemacht haben an diesem Buch. Und davon gibt es noch so einige. Denken wir an den „Schachtürken“. Ein Meisterwerk der Mechanik des 18. Jahrhunderts, das vorgaukeln sollte, es könne es  mit einem Menschen im Schachspielen aufnehmen. Aber dieser Apparat barg ein großes Geheimnis. Die Geschichte der Erfindungen steckt voller solcher skurrilen Stories.

BB: Die Brauweiler kennen dich als Basketball-begeisterten Vater, der die Basketball-Abteilung des TuS Brauweiler jahrelang im geschäftsführenden Vorstand unterstützt hat. Welche Innovation hat den Ballsport auf den Weg gebracht?

AS: Wie sagt man in solchen Fällen? Eine interessante Frage! Ist sie aber in der Tat. Der Spieltrieb ist eine Art Urtrieb des Menschen. Durch spielerisches Verhalten lernen wilde Tiere das Jagen. Auch beim Menschen war es so, dass der Spieltrieb immer dazu diente, viele Dinge zu erlernen, zu trainieren, um dann im Ernst des Lebens zu bestehen. Das gilt auch für jede Sportart. Laufen, werfen, treffen, sich einem Gegner als Team zu stellen und ihn zu besiegen, also die Eigenarten, die Basketball ausmachen, das sind  alles schon archetypische Verhaltensmuster, die sich bis in die Urzeit der Menschheit zurückverfolgen lassen. Auch die Dinge, die beim Basketball als Utensilien wichtig sind, haben ihren Ursprung in der Vergangenheit. Ohne die technische Möglichkeit Leder oder Kunststoff zu einem elastischen Ball zu verarbeiten, wären alle Ballsportarten undenkbar. Und ohne den richtigen Basketball-Schuh wohl auch nicht. Die Erfindung des Schuhs wäre übrigens auch ein Thema gewesen, das zu bearbeiten mir sehr gut gefallen hätte. Die Geschichte der Kleidung ist ein sehr interessantes kulturgeschichtliches Feld. Aber vielleicht wäre das ja ein etwas, was man in einem neuen Buch „Die 50 wichtigsten Kleidungsstücke – von der Unterhose bis zum Hut“ behandeln könnte.

Alfried Schmitz. Die 50 bahnbrechendsten Erfindungen“ vor (Bucher, 141 Seiten, 17,95 Euro) Sie erhalten das Buch in der Bücherstube Brauweiler.

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