Brief aus Eckernförde – Alles wird gut # 50

ich lese heute Morgen den Brief aus Eckernförde und denke: Respekt. Dort soll die Entbindungsstation geschlossen werden und prompt gründen sich dort Facebook-Gruppen und die Leute gehen auf die Straße, um gegen diese Entscheidung zu protestieren. Und das passiert mitten im Sommer, in dem Eckernförde eigentlich andere Themen hat: Tourismus und Sommerevents. Brauweiler dagegen schläft seinen alljährlichen Sommerschlaf. Unterdessen wuchert das Guidelloch immer weiter zu. Neulich sagt mein Nachbar zu mir: „Vielleicht siedeln sich in der Zwischenzeit auf dem Guidelplatz seltene Tier- und Pflanzenarten an. Und dann ist es ganz aus mit dem Bauprojekt der Gold-Kraemer-Stiftung.“ Dann müssen nur noch die Zäune weg und es braucht Sitzgelegenheiten. Mir gefällt aber die Eckernförder Lösung besser. Brauweiler, wir sollten einfach mal den Mund aufmachen. Wen dieser Schandfleck stört, sollte jetzt endlich mal die Zähne auseinander kriegen. Ich bin schon ganz gespannt auf die Ergebnisse der Bürgerumfrage zur Planung Guidelplatz. Die Brauweiler Interessengemeinschaft der Unternehmer e.V. (BIG) hat diese auf dem Abteifest und den Geschäften der Mitglieder durchgeführt. Der Sommerschlaf neigt sich dem Ende zu und Brauweiler scheint langsam aufzuwachen. (Illustration: Meike Teichmann)

Moin, moin Brauweiler,

die Gedanken sind tatsächlich frei. Das wird mir immer bewusst, wenn mein Gehirn wieder einmal auf  Abwege gerät, um auf Umwegen ans Ziel zu gelangen. Wobei: Ob mein Gehirn das Ziel zuvor kannte? Ich wage diesbezüglich keine Vermutung, geschweige denn eine verbindliche Antwort.

So war es auch gestern Abend. Fiete und ich schlenderten mit Fischbrötchen durch den Hafen und erzählten von früher. Fiete fragte, ob ich mich noch an die Eisschollen erinnern würde, die sich hier 1979 getürmt haben. Natürlich  erinnerte ich mich. Beinahe 50 Stunden hat es ununterbrochen geschneit. Die Natur hat mit eiskalter Faust auf den Tisch geschlagen und allen war klar, wer Chef im Ring war und – noch immer ist.

„Wenn ich an diese Zeit denke, denke ich immer zuerst an die Heli-Babys“, sagte ich zu Fiete. So nannte man die Kinder, die nach der Evakuierung aus den Schneemassen in Hubschraubern geboren worden waren. Tja, und schon hatte mein Hirn den Weg in die Jetztzeit gefunden. Vor 33 Jahren hatten die Menschen zusammen gestanden und die Katastrophe gemeistert. Heute stehen die Menschen wieder zusammen. Zwar sind wir nicht mit einer Katastrophe konfrontiert, aber mit einer außerordentlich misslichen Entscheidung. Die Entbindungsstation der Klinik in Eckernförde soll geschlossen werden.

Blitzartig machte die traurige Nachricht die Runde und ebenso blitzartig gründeten sich zwei facebook-Gruppen, die urdemokratisch diskutierten, wie man denn gegen die Schließung der Station vorgehen könne. Es wurde recherchiert, welche formalen Kriterien eine Petition zu erfüllen hat, wer Unterschriftenlisten gestaltet, diese ausdruckt und wo auslegt. Tausende von Menschen haben sich den facebook-Gruppen angeschlossen, spontane Hilfsbereitschaft gezeigt, oft erstmal in der Fußgängerzone gestanden und für die gemeinsame Sache gekämpft. Inzwischen liegen die Unterschriftenlisten in Eckernförde und Umgebung „an jeder Ecke“.

Noch ist unklar, ob der Protest Erfolg haben wird. Aber das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können, ist überall in der Stadt spürbar.

Beglückt und zuversichtlich

Ihre Margarete Brix

P.S. Fiete und ich haben nach dem Fischbrötchen noch ein Bier genommen. Derweil  kamen drei junge Männer und kauften ebenfalls Fischbrötchen. Zwei Minuten nachdem sie den Stand verlassen hatten, kam einer zurück und brachte zwei Euro. Er hatte zuviel Wechselgeld zurück bekommen.

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