Gastbeitrag Thomas Wehr – Ansiedlung eines Möbelhauses auf dem Pulheimer Schwefelberg und die Konsequenzen

Seit langem schon beschäftigt die Ansiedlung eines Möbelhauses auf dem Pulheimer Schwefelberg die Gremien der Stadt Pulheim. Ich habe als Vertreter der BIG im letzten März an einer Veranstaltung der Stadt Pulheim teilgenommen, auf der sich die  Geschäftsführung des Möbelhauses Segmüller Vertretern der Unternehmerschaft der Stadt Pulheim vorgestellt hat. In aller Kürze die Zahlen: 45.000 qm VKF, 45.000 qm Lager, ca. 800 Angestellte. Segmüller sieht sich als Anbieter qualitätvoller Waren. Man komme zwar auch nicht um Discountangebote herum, sei aber auf gar keinen Fall eine Ramschschleuder, so die Geschäftsführer. Das Angebot reicht von Möbeln über Lampen bis hin zu Bettwäsche und Matratzen. Geplant ist auf 4500 qm Fläche ein Nebensortiment anzubieten, das Überschneidungen mit der  Pulheimer Liste aufweist. Diese Liste bestimmt die Waren, die als zentrenrelevant  gesehen werden. Thomas Wehr, Geschäftsführer der Pulheimer Galerie Wehr, der als Vertreter des Aktionsringes Pulheim auch auf der genannten Veranstaltung anwesend war, hat jetzt zusammengefasst, welche Auswirkungen die Ansiedlung eines Möbelhauses mit einem derartig großen Nebensortiment auf die Zentren der Stadtteile habe.

 

Die Stadt Pulheim betreibt jetzt die Ansiedlung eines Möbelhauses der Firma Segmüller mit einer Verkaufsfläche von 45.000 qm, davon 4.500 qm zentrenrelevante Randsortimente.

Die von einem solchen großflächigen Einzelhandelsvorhaben ausgehenden Umsatzverteilungen hängen im Wesentlichen von der Flächenproduktivität und der Sortimentsstruktur ab. Die Firma Segmüller erzielt mit ihren Möbelhäusern, die nach Größe und Lage mit dem in Pulheim vergleichbar sind, Umsätze in Höhe von 200 bis 250 Mio. € und erreicht damit eine Flächenproduktivität von 4.000 €/qm bis 5.000 €qm. In der Möbelbranche sind diese Zahlen bekannt und werden vom Unternehmen auch nicht bestritten.

Die hohen Flächenumsätze werden zu einem erheblichen Teil mit den Randsortimenten (z.B. Pfannen, Fernseher, Baby-Artikel) erzielt, die intensiv beworben und teilweise unter Einkaufspreis angeboten werden. Das Unternehmen setzt dabei Randsortimentsartikel ein, die im Preisbewusstsein der Verbraucher liegen und erlangt dadurch das Image eines besonders preisgünstigen Anbieters. Auch das ist in der Branche allgemein bekannt.

Die Nachbarkommunen, vor allem Bergheim, Dormagen und Leverkusen, rechnen daher mit erheblichen negativen Auswirkungen auf den mittelständischen Einzelhandel in ihren Innenstädten und haben daher entsprechende Bedenken erhoben.

Das von der Stadt Pulheim in Auftrag gegebene Gutachten der BBE Handelsberatung bagatellisiert diese Auswirkungen, indem es die Flächenproduktivität des neuen Möbelhauses mit 2.070 €/qm ansetzt. Diese Annahme ist schon deshalb unglaubwürdig, weil kein Unternehmen ein neues Möbelhaus mit der Absicht eröffnet, dort nur etwa die Hälfte des Umsatzes zu generieren, den es in vergleichbaren Häusern erzielt bei im Übrigen gleichen Vertriebskonzept und Kostenstrukturen.

Die Ansiedlung eines Möbelhauses in der geplanten Größenordnung hätte zur Folge, dass die Konkurrenten wie Porta in Frechen oder Höffner in Rösrath nachziehen und die Verkaufsflächen für Randsortimente entsprechend vergrößern würden. Kein Rat der Standortgemeinden könnte sich der Forderung nach Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen widersetzen. Der Druck auf den mittelständischen Einzelhandel in den Innenstädten würde noch größer. Dabei ist noch nicht die rasante Entwicklung im Online-Handel der betreffenden Warengruppen berücksichtigt, die den stationären Einzelhandel zusätzlich unter Druck setzt.

Es werden per Saldo auch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, vielmehr erfolgt ein reiner Verdrängungswettbewerb zu Lasten der Innenstädte und des gewachsenen ortsansässigen Einzelhandels.

Die Ansiedlung eines überdimensionierten Möbelhauses auf der grünen Wiese liegt wegen der unerwünschten Nebeneffekte weder im Interesse der benachbarten Innenstädte noch im Gesamtinteresse der Wirtschaft. Die Ansiedlung eines Möbelhauses in einer verträglichen Größenordnung von 20.000 bis 25.000 qm Verkaufsfläche wäre wünschenswert.
Das Randsortiment sollte eingeschränkt werden, denn hier wird Markenware billig verramscht, die nur Kunden anlocken soll und keinen Ertrag bringt. Die Händler, die mit dem Verkauf dieser Waren ihr Geld verdienen haben keine Zukunft mehr. Das wird Neuansiedlungen in den Innenstadtbereichen verhindern.(z.B. Kaufring)

Viele Politiker glauben , dass es in der Innenstadt keinen schützenwerten Einzelhandel gibt. Das was zur Zeit nicht oder noch nicht da ist, braucht auch nicht geschützt zu werden. Aus diesen Gründen soll auch die zentrenrelevante Liste nach Vorschlägen der BBE aufgeweicht werden. So geht es in Wirklichkeit um eine Einzelhandelsfläche von bis zu 6000 qm.

Die Kunden werden vor der Stadt abgefangen, die Kundenfrequenz in den Innenbereichen weiter reduziert und das Argument die Segmüllerkunden würden nach dem Einkauf dort noch in die Innenstadt fahren ist unwahrscheinlich……
Diese Politik widerspricht der langen ,kontinuierlichen Politik von Dr. Morrisse, nach der es keinen Einzelhandel auf der grünen Wiese geben sollte.

Es sollen auch 3 Restaurants im Möbelmarkt und noch ein Imbiss vor dem Markt entstehen. Dies wird auch den sich in Pulheimer Lokalen etablierten Mittagstisch negativ beeinflussen. Weniger Kundenfrequenz wird auch für die Freiberufler negativ sein.
Als gewählter Vertreter für den Einzelhandel im RheinErft Kreis in der Vollversammlung der IHK zu Köln, habe ich bereits im letzten Jahr (März) in einem Brief an den Bürgermeister meine Bedenken geäußert. Diese blieben ohne Einfluss und werden öffentlich sogar in Abrede gestellt.

Es wird sogar behauptet, dass keine negativen Reaktionen des Einzelhandels vorliegen würden. Der Rat hat am 18.12.2012 die Ansiedelung der Fima Segmüller mit einem Fachhandelssortiment beschlossen.

Thomas Wehr 

Gesellschafter Geschäftsführer der Galerie K.Wehr GmbH
geprüfter Kunsthändler IHK
Vergoldermeister
Handelsassistent
Restaurator
Gutachter für Schäden an Bildern/ Rahmen und Skulpturen
Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Köln
Mitglied der beratenden Versammlung RheinErft
Mitglied Vorstand Aktionsring Pulheim
Wirtschaftsforum Pulheim

1 Kommentar to “Gastbeitrag Thomas Wehr – Ansiedlung eines Möbelhauses auf dem Pulheimer Schwefelberg und die Konsequenzen”

  • Moritz Grosse:

    Wenn ich eine Pfanne brauche, gehe ich zu Ikea. Auch Lampen und alles das, was man im Haushalt so braucht kaufe ich da. Wenn das neue Möbelgeschäft in Pulheim entsteht, braucht man nicht mehr so weit zu fahren. Es bleibt dann auch Geld in Pulheim, was ansonsten nach Köln geht. Wer in aller Welt kauft Haushaltsartikel in Pulheim? Schützenwert ist der Lebensmittel-, Textil-, Spezialitätenhandel und alles was Nischencharakter hat.

    Moritz Grosse

    Vielleicht gibt es ja noch ein paar Kommentare von anderen Lesern. 🙂

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